Die 1847 gegründete Carlsberg-Gruppe braut unter anderem die Biermarken Carlsberg und Tuborg, die man in über 140 Ländern trinkt. Der Hauptsitz der heutigen Carlsberg A/S befindet sich noch immer am selben Platz in Kopenhagen, an dem vor mehr als 150 Jahren die ersten Brauereigebäude errichtet wurden.
Im Mai 2000 fassten Carlsberg und die norwegische Orkla ASA ihre Brauereien in der Carlsberg Breweries A/S zusammen, an der die Dänen 60 Prozent der Aktienanteile halten. Carlsberg Breweries nimmt weltweit eine führende Position in der Brauindustrie ein. Belege dafür sind der Absatz von 60 Millionen Hektoliter Bier und ein Nettoumsatz von mehr als 30 Billionen Dänische Kronen pro Jahr sowie gut 29.000 Beschäftigte.
Carlsberg Sverige AB, eine Tochtergesellschaft der Carlsberg Breweries, entstand im Februar 2001 durch die Übernahme der Pripps- und Falcon-Brauereien. Während Pripps bis dahin als bedeutendster schwedischer Bierbrauer beispielsweise die meistverkaufte inländische Starkbiermarke Pripps Blå produzierte, erhielt Falcon bereits 1985 die Lizenz zum Brauen der Carlsberg-Biere. Carlsberg Sverige stellt Biere in diversen Stärkegraden, moderne Erfrischungsgetränke, Pepsi Cola sowie Mineralwasser, wie die weltbekannte Premiummarke Ramlösa, her. Größter Standort und gleichzeitig Hauptsitz ist das westlich von Stockholm gelegene Bromma. Dort erzeugt das Unternehmen jährlich 191 Millionen Liter Bier und Erfrischungsgetränke und deckt damit 16 Prozent des schwedischen Bedarfs ab. Abgefüllt wird in Glasflaschen, Einweg- und Mehrweg-PET-Flaschen sowie in Dosen
40.000 Flaschen pro Stunde
2001 investierte die damalige Pripps-Brauerei in eine Einweg-Linie für PET-Flaschen, die in zwei Ebenen verläuft und über eine Kapazität von 40.000 0,5-Liter-Flaschen pro Stunde verfügt. In dieser Linie lassen sich zurzeit 34 Produkte in 0,35- bis 2,0-Liter-Flaschen abfüllen. Das Spektrum umfasst "stille" und kohlesäurehaltige Erfrischungsgetränke sowie Bier und heiß eingefüllte Fruchtsäfte; eine Sortenvielfalt, die in Zukunft noch ausgebaut werden soll.
Die in zwei Schichten arbeitende Anlage transportiert die Flaschen, nach dem Verpacken auf Trays, über einen Spiralförderer in eine Höhe von rund drei Meter und führt sie auf Pufferstrecken dem KUKA-Schwerlastroboter KR 500 zu. Den sechsachsigen Knickarmroboter lieferte, wie die komplette, vom Eintreffen des Leergutes bis zum Versand reichende Linie, die KHS Maschinen- und Anlagenbau AG, Worms. KHS, ein auf die Getränkeindustrie spezialisierter Systempartner der KUKA Roboter GmbH, Augsburg, ersetzte durch den im November 2001 in Betrieb genommenen KR 500 einen Lagenpalettierer.
Flexibel auf engstem Raum
Der auf Kundenwunsch hellblau lackierte Roboter verbindet einen spürbar geringeren Platzbedarf mit dem Vorteil, dass er sich schon durch leichte Programmänderungen schnell auf neue Flaschengrößen umrüsten lässt. Zur Flexibilität des mit einer beachtlichen Reichweite ausgestatteten Sechsachsers trägt auch sein maßgeschneiderter Greifer bei. Ferner fällt der KR 500 aufgrund kurzer Taktzeiten, Positioniergenauigkeit, Wartungsarmut, einfacher Bedienung und einer hohen Verfügbarkeit auf, die deutlich über 95 Prozent liegt. Seine Tragfähigkeit von 500 kg ist erforderlich, weil immer eine ganze Lage palettiert werden muss. Der Schwerlastroboter selbst ist wegen seines in Relation zur Tragkraft günstigen Eigengewichts von nur 2.350 kg problemlos in Anlagen integrierbar. Das gilt ebenso für Einsätze in feuchten Umgebungen, da die Hand des KR 500 mit der Schutzart IP 65 versehen ist.
Die Trays mit den PET-Flaschen werden dem Roboter über drei Förderstrecken und einen Rollentisch zugeführt. Die Verteilung auf die zwei Bahnen erfolgt dem vorgegebenen Stapelbild entsprechend; das heißt, die Steuerung zählt die Trays und lässt sie, falls notwendig drehen. Ein Pusher schiebt sie dann von dem Tisch auf den so genannten Rollenteppich des Robotergreifers. Der KR 500 zentriert die Trays und hält sie dadurch auch während der Bewegung fest. Er nimmt, abhängig von der Flaschengröße, entweder zehn Trays mit je 3 x 5 oder neun Trays mit je 6 x 4 Flaschen auf. Neben diesen gängigen Gebinden handhabt der Sechsachser ab und zu kleinere mit 2 x 4 und 2 x 3 Flaschen. Die Zahl der Lagen, bei 0,5-Liter-Flaschen sind es maximal sechs, richtet sich gleichermaßen nach der Flaschengröße, wobei das Stapelbild stets wechselt, um die Stabilität zu erhöhen. Ein Bediener wählt jeweils das Programm aus.
Schonendes Handling
Der KR 500, der auch kleine, in Folie eingeschweißte Gebinde ohne Trays aufnehmen kann, stellt die Flaschen schonend auf Europaletten oder Halbpaletten ab. Zu diesem Zweck zieht er den Rollenteppich seines Greifers ein. Eine ebenfalls über die PC-basierende KUKA-Robotersteuerung KR C 2 geregelte Zusatzachse zentriert die Trays auf der Palette. Falls nötig, legt ein externer Automat Zwischenlagen aus Pappe ein. Nach dem Verlassen des Roboterbereichs fahren die Paletten auf einer Rollenbahn zu einem Folienwickelautomaten. Halbpaletten werden davor noch einmal getrennt, anschließend wieder zusammengeführt und auf eine Europalette gesetzt, die auf einer tieferen Bahn bereitsteht. Die beiden Halbpaletten positionieren in einer Station, die sie seitlich fixiert, bis die Europalette von unten anhebt. Zum Schluss bringen Stapler die Paletten von zwei Abnahmeplätzen ins Lager.
Schneller stapeln als abfüllen
Ein knappes Jahr vor dem Schwerlastroboter KR 500 lieferte KHS bereits zwei KR 350 an Carlsberg Sverige in Bromma. Insgesamt installierte KHS seit 2000 in Dänemark, Norwegen und Schweden 36 KUKA-Roboter. Unabhängig davon setzte das Unternehmen KUKA-PC-Steuerungen in Verbindung mit hauseigenen Robotermechaniken ein. Die Inbetriebnahme der KR 350 datierte auf Februar 2001. Diese Roboter sind Bestandteil von zwei Abfülllinien für 0,33- und 0,5-Liter-Dosen, die Carlsberg hauptsächlich für Bier in unterschiedlichen Verpackungsgrößen nutzt. Jeder der zwei Roboter, die mit einer Tragkraft von 350 kg versehen sind, palettiert im Drei-Schicht-Betrieb pro Stunde 48.000 Dosen und legt die dazugehörige Menge an Zwischenlagen ein. Die mögliche Stapelleistung der KR 350 liegt 15 Prozent über der maximalen Fertigungsmenge der Linien.
Der Transport der auf Trays stehenden Dosen zu den Roboterzellen erfolgt auf speziellen Bandförderern. Diese Pack-Router sind mit mechanischen Einrichtungen ausgestattet, die die Trays in die Positionen drehen oder schieben, die denen des programmierten Lagenbildes entsprechen. So gelangen die Trays auf den Abnahmeplatz des bereffenden Sechsachsers, auf dem sie zentriert werden. Dort nimmt der KR 350 die Trays mit seinem von KHS konzipierten, 200 kg wiegenden Vakuumsauggreifer auf, mit dem er auch Zwischenlagen handhabt. Jede Dose wird von einem eigenen Saugkopf gehalten. Mit Hilfe einer integrierten Vakuumüberwachung kontrolliert die Steuerung, ob alle Saugköpfe des Greifers genügend Vakuum aufbauen. Sobald die dafür vorgegebene Toleranzgrenze unterschritten ist, stoppt der KR 350 automatisch, und auf dem Monitor des Operator Panels erscheint eine auf den Fehler hinweisende Meldung.
Der über die KUKA-Steuerung KR C1 beauftragte Roboter stellt die Dosen auf Halbpaletten ab, die wiederum auf einer Europalette stehen. Wegen der höheren Stabilität wechselt das Lagenbild hier ebenfalls schichtweise. Die Ladungsträger werden nach dem Palettieren vereinzelt, umwickelt, erneut auf einer Europalette vereint und von Staplern ins Lager gebracht. Carlsberg fährt auf beiden Linien entweder parallel dasselbe Produkt oder zwei verschiedene Biere beziehungsweise Gebindegrößen.
Flexibilität als Zukunftsgarantie
Aufgrund ihrer Flexibilität sind die von KHS installierten Abfülllinien für PET-Flaschen und Dosen, einschließlich der darin genutzten KUKA-Roboter, zukunftweisend ausgerichtet, sodass der Betreiber schnell auf sich ändernde Marktbedingungen reagieren kann.
Das ist vor allem im Hinblick auf den komplizierten schwedischen Biermarkt wichtig. Denn die Brauereien versuchen, sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Kunden den heimischen Gerstensaft, trotz hoher Biersteuer, schmackhaft zu machen. Falls sie es schaffen sollten, die privaten Bierimporte zu minimieren, die bei rund einer Million Hektoliter pro Jahr liegen, könnten sie mit Zuwächsen von bis zu 20 Prozent rechnen.
Autor: Jürgen Warmbold, Freier Fachjournalist, 27327 Martfeld